Ich war 31 Jahre alt, als ich das erste Mal den traumatischen Erfahrungen meiner Kindheit zustimmte. Ich sagte zum ersten Mal „JA“ dazu, dass ich viele Jahre sexuell missbraucht wurde. Ich erkannte, dass ich niemals frei sein werde, wenn ich meine Erfahrungen nicht anerkenne. Und ich wusste auch, dass ich niemals eine gute Mutter sein kann, wenn ich nicht geheilt bin. Nähe war für mich unerträglich. Ich unterstellte der Liebe der anderen immer eine böse Absicht. Wie hätte ich so wahre Liebe erfahren können. Da stand ich, mit meinen unverheilten Wunden, einer Sehnsucht nach Liebe und doch unfähig, gesunde Beziehungen zu leben.
Am Ende des Heilungsweges steht immer die Vergebung. Ich habe Unverzeihliches verziehen. Für mich, um endlich frei zu sein. Und das bin. Frei.
Nun bin ich 42 Jahre alt und habe zwei wundervolle Kinder, die ich über alles liebe. Ich lebe im bunten Berlin und ich liebe diese Stadt, obwohl es mich jeden Tag mehr in die Natur zieht.
Ich träume davon, ein paar Monate in Hawai zu leben. Ich träume von einem Häuschen im Grünen. Ich träume von einer Veranda und einen kuschligen Hängestuhl, in dem ich es mir bei Sonnenschein gemütlich machen kann.
Ich träume davon, auch andere Frauen auf ihrem Heilungsweg zu unterstützen. Nicht nur, weil ich weiß, wie es geht, sondern weil ich diese Fähigkeit habe, anderen in die Seele zu schauen und ihren Schmerz zu sehen. Ich sehe den Schmerz, den andere selbst noch nicht anerkennen. Ich bin eine Mutmacherin, denn es braucht verdammt viel Mut, die Wunden eines Trauma´s zu heilen.

